Die Wirtschaft in Schlesien im Zeitraum von 1898 bis 1905


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Leinenindustrie

Die Leinenindustrie ist einer der ältesten und ausgebreitetsten Industriezweige Schlesiens. Ihre Lage zu Beginn der Berichtsperiode war wenig erfreulich. Insbesondere führte die Konkurrenz der billigeren Baumwollwaren einen steten Rückgang herbei. Im Jahre 1898 geriet der sehr bedeutende Export nach Amerika infolge des spanisch-amerikanischen Krieges ins Stocken. Die Hauptbedeutung der Leinenindustrie für Schlesien liegt vor allem darin, daß sie vielen tausenden Familien eine lohnende Beschäftigung gewährt und fast ausschließlich ein heimisches Rohprodukt, den Flachs, verarbeitet. Die Verringerung des Absatzes von Leinenwaren hatte naturgemäß auch einen Rückgang des Flachsbaues und der Handweberei zur Folge.

Im Jahre 1809 fand der Rückgang seine Fortsetzung. Der Export nach Amerika hatte weiter nachgelassen, Flachs-, Garn- und Warenpreise sanken auf einen nie dagewesenen Tiefstand. Der Flachsanbau wurde infolge dessen derart reduziert, daß ein großer Teil des Rohproduktes aus Rußland bezogen werden mußte. Die schlechte Flachsernte in Rußland hatte dann eine enorme Steigerung der Flachspreise zur Folge, wodurch auch die Garnpreise stark in die Höhe getrieben wurden. Damit konnten jedoch die Preise für die fertige Ware nicht Schritt halten.

Dieselben Merkmale charakterisieren die Lage der Leinenindustrie auch im Jahre 1900: Höchste Flachspreise infolge der schlechten Ernte von 1899, hohe Garnpreise, hohe Preise der Webereiprodukte, dem gegenüber größter Widerstand der Konsumenten auch auf den ausländischen Leinenmärkten. Erfreulicherweise führten die hohen Flachspreise eine Hebung des heimischen Flachsanbaues herbei.

Die schwankende Haltung in den Flachs- und Garnpreisen hielt auch in den folgenden Jahren an und verursachte Betriebsstörungen und Reduktionen auf allen Gebieten der Leinenindustrie. Die Handweberei war in stetem Rückgang begriffen. Günstiger gestaltete sich die Lage der Leinenindustrie im Jahre 1905. Die im August dieses Jahres abgehaltene Flachsexpertise leitete energische Schritte zur Hebung des heimischen Flachsbaues und zur Verbesserung der Flachsbereitung ein. Das den meisten vorgebrachten Postulaten seitens der Regierung bewiesene Entgegenkommen läßt eine Erholung dieses hochwichtigen Industriezweiges für die Zukunft erhoffen, und es ist zu wünschen, daß die heimische Produktion wieder auf dieselbe Höhe gebracht werde, auf der sie vor Jahrzehnten stand.

Ebenso wie bei der Leinenindustrie richtete sich auch bei der Hanfspinnerei und der Jute-lndustrie die Lage nach den Schwankungen der Preise für die Rohmaterialien und den Absatzverhältnissen. Auch für diese Industriezweige schloß das Jahr 1905 unter günstigen Auspizien. Für die Juteindustrie wird das Rohmaterial aus Calcutta importiert.

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