Die Wirtschaft in Schlesien im Zeitraum von 1898 bis 1905


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Steinindustrie

Die schlesische Steinindustrie hat ihren Hauptsitz im politischen Bezirke Freiwaldau, wo sich ausgedehnte Marmor- und Granitbrüche befinden. In den Gemeinden Saubsdorf, Groß-Kunzendorf, Ober- und Nieder-Lindewiese des Freiwaldauer und Alt-Kaltenstein des Weidenauer Bezirkes wird ein Marmor von grauer, seltener von weißer oder blauer Farbe gefunden, der zu den verschiedensten Steinmetz- und Bildhauer-Arbeiten verwendet wird. Die größeren Betriebe befassen sich teils mit monumentaler, teils mit Bauarbeit und verarbeiten für erstere auch fremdes Material. Größere Steinmetz- und Bildhauerwerkstätten befinden sich außer den obgenannten Gemeinden auch in Troppau, Teschen, Bielitz, Zuckmantel und Jägerndorf. Fremdes Rohmaterial wird in Blöcken bezogen und zwar: Granit-Labrador aus Schweden, Norwegen und Finland, Marmor aus Italien und Belgien, Platten für Möbelplatten aus Italien und Belgien. Für Bauarbeiten gelangt weißer und blauer Granit zur Verwendung, welcher in den ergiebigen Brüchen zu Friedeberg, Setzdorf, Jungferndorf, Gurschdorf, Domsdorf, Schwarzwasser, Krosse und Rothwasser gewonnen wird. Monumente in Marmor und Hartgestein werden im Inlande, dann auch nach Ungarn, Galizien und Siebenbürgen abgesetzt und nach Rumänien und Rußland exportiert Nach Deutschland erfolgt infolge der Zollverhältnisse die Ausfuhr nur in rohen Blöcken, wo sie dann durch österreichische Arbeiter verarbeitet werden. Würfel und Pflasterartikel gehen zollfrei nach Deutschland und werden in großen Mengen dahin exportiert. Zur Heranbildung von tüchtigen und intelligenten Arbeitern wurden die Fachschulen für Marmor- Industrie in Saubsdorf und für Granit-Industrie in Friedeberg gegründet.

Der Geschäftsgang war im Jahre 1898 bezüglich des rohen Marmors sehr gut, im übrigen aber ungünstig. Die ziemlich befriedigende Lage in den folgenden Jahren verschlechterte sich ab 1901, wozu vor allem der Umstand beitrug, daß die schlesischen Brüche von Jahr zu Jahr ärmer an qualitätvollem schönem Material werden, so daß die Verarbeitung des italienischen und schwedischen Materiales stetig im Wachsen begriffen ist Auch herrscht Mangel an besser ausgebildeten Arbeitskräften. Die immer mehr vordrängende ausländische Konkurrenz drückte die Preise. Ein flotter Absatz im Jahre 1904 führte eine Besserung der Stein-Industrie herbei. Zu den bestehenden Granit- brüchen sind in diesem Jahre noch 6 neue hinzugekommen, ein Zeichen des guten Geschäftsganges, der auch im folgenden Jahre andauerte.

Die größte Zahl der schlesischen Marmorbrüche ist teils ausgebeutet, teils aufgelassen worden, hingegen wurden im Jahre 1905 wieder einige neue Granitlager eröffnet. Bessere Marmorsorten werden gegenwärtig aus Steiermark, Kärnten und Tirol bezogen. Das Geschäft nach Ungarn, dem Hauptabsatzgebiete ist infolge der aufblühenden ungarischen Konkurrenz stark im Abnehmen begriffen. Der Export nach Deutschland war im Jahre 1905 recht lebhaft, dagegen hat er nach Rußland fast ganz aufgehört.

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