Die Wirtschaft in Schlesien im Zeitraum von 1898 bis 1905


Zurück zur Übersicht über die Industriezweige 1898 - 1905
Zum Durchsuchen dieser Seite drücken Sie bitte STRG+F

Steinkohlebergbau

Schlesien besitzt einen großen Teil des Ostrau Karwiner Steinkohlen-Revieres. Die Produktions- und Absatzverhältnisse waren im Jahre 1898 nicht ungünstig, obgleich sie durch die Konkurrenz der preußischen Kohle und den großen Mangel an Arbeitskräften erheblich beeinträchtigt worden sind. Die Kohlenpreise waren gut und erfuhren im Jahre 1899 eine weitere Steigerung, die dem Nachlassen der preußischen Konkurrenz und der Preiserhöhung der Kohle in Deutschland zuzuschreiben ist Diese günstigen Verhältnisse ermöglichten die weitere Ausgestaltung der Kohlenwerke zur Erhöhung der Förderleistung und damit größere Erzeugungsquantitäten. Die Arbeitslöhne konnten gegen das Jahr 1898 erhöht und der Arbeiferstand um über tausend Mann vermehrt werden.

Das Produktionsjahr 1900 stand im Zeichen des Arbeiteraufstandes bei sämtlichen Kohlenbergbaubetrieben des Ostrau-Karwiner Revieres. Der Streik, welcher vom 10. Jänner 1900 bis Ende März währte, wurde zur Erreichung des Achtstundentages in Szene gesetzt. Die drei letzten Quartale dieses Jahres ergaben infolge der durch den Ausstand erzeugten Kohiennot und der günstigen Preisbewegung ein befriedigendes Resultat.

Um neue Kohlenlager zu erschließen und der Produktion zugänglich zu machen, wurden 3 große Schachtanlagen im Reviere in Angriff genommen, und zwar die Friedrichsschachtanlage der Steinkohlengewerkschaft Marie-Anne, die Ludwigsschachtanlage der Ostrauer Bergbauaktiengesellschaft und die Anlage der österreichischen Alpinen-Montangesellschaft in Orlau. Eine große Koksofenanlage der Witkowitzer Bergbau- und Eisenhüttengewerkschaft nächst dem Theresienschachte in Poln.-Ostrau wurde der Vollendung zugeführt. Bedeutende Erweiterungen haben ferner die Koksofenanlagen am erzherzoglichen Hoheneggerschachte, am gräfl. Larisch‘schen Franziskaschachte in Karwin, am gräfl. Wilczek‘schen Dreifaltigkeitsschachte in Poln.-Ostrau und am lgnazschachte der Steinkohlengewerkschaft Marie-Anne in Ellgoth erfahren. Die Arbeitslöhne wurden gegen das Vorjahr um 15-20% erhöht, der Arbeiterstand um nahezu 4000 Mann vermehrt.

Der Absatz ließ im Jahre 1901 stark nach, und mit Ende Mai trat eine vollständige Stagnation ein. Auch machte sich die Konkurrenz des preußischoberschlesischen Steinkohlenrevieres wieder stärker fühlbar, so daß der Jahresabschluß recht ungünstig war. Dennoch wurde der Mannschaftsstand nicht verringert, die Arbeitslöhne stiegen hingegen um 3 h pro Förderzentner. In diesem Verhältnisse brachte auch das Jahr 1902 keine Änderung. Im Juli dieses Jahres trat das Gesetz vom 27. Juni 1901 in Kraft, durch welches die Arbeitszeit beim Kohlenbergbau in Osterreieh auf 9 Stunden herabgesetzt wurde, wodurch eine weitere Verminderung der Konkurrenzfähigkeit mit Deutschland erfolgte, wo noch eine l2stündige Arbeitszeit zulässig war. Der Mannschaftsstand mußte um zirka 1200 Arbeiter verringert werden. Die Depression hielt auch in den Jahren 1903 und 1904 an. Der Arbeiterstand mußte seit 1903 abermals um nahezu 1100 Mann vermindert werden. Erst das Jahr 1905 brachte wieder einen Aufschwung im Steinkohlenbergbau. Eine Erhöhung des Arbeiter- standes fand aber nicht statt, derselbe verminderte sich im Gegenteil infolge des natürlichen Abganges um weitere 400 Mann.

Jahr für Jahr erscheinen in den Berichten dieselben Wünsche und Forderungen zur Hebung und zum Schutze des österreichischen Steinkohlenbergbaues, dieselben Maßregeln, welche geeignet wären, die Konkurrenzfähigkeit zu heben, werden stets vorgeschlagen, ohne daß sie bisher maßgebenden Ortes eine Berücksichtigung erfahren hätten.

Den jährlichen Berichten ist jeweils ein Ausweis über die Produktion, sowie über den Aufseher- und Arbeiterstand im Ostrau-Karwiner Reviere (inklusive Petrzkowitz) beigegeben.

Weiterer lesenswerte Artikel:

Schafwollindustrie
Leinenindustrie
Baumwollindustrie
Seidenindustrie
Textilmaschinenindustrie
Orgelbau
Eisenindustrie
Zinkwalzwerke
Kratzenfabrikation
Mühlenindustrie
Zuckerindustrie
Malzfabrikation
Bierbrauerei
Spiritusfabrikation, Pottasche und Schlempekohlerzeugung
Likörindustrie
Gärungsessigindustrie
Steinkohlenbergbau
Kalkbrennerei
Schiefergewinnung
Ziegelfabrikation
Tonwarenerzeugung
Chamottefabrikation
Glasfabrikation
Steinindustrie
Brettsägen und Holzhandel
Fabrikation von Möbeln aus gebogenem Holze
Knopffabriken
Zellulose-Fabrikation
Papierfabrikation
Fabrikation pharmazeutisch chemischer Produkte
Farbenfabrikation
Petroleumraffinerie
Ölfabrikation
Zündwarenindustrie
Handschuhindustrie
Das Kreditwesen Schlesiens in den Jahren 1899-1905