Wappenkunde Heraldik
Lesen Sie die folgenden Texte
über die Bedeutung der Ritterwaffen und deren symbolische Deutung
Die Wappen auf den Fahnen der Zünfte in Prag im Jahre 1351
Wir schreiben das Jahr 1095, Papst Urban II. ruft in einer Welt der Veränderung zum ersten Kreuzzug ins heilige Land auf.
Das christliche Gedankengut prägt die Welt, die am Umbruch von der Romanik in die Gotik steht. Aus der zeit knapp nach dem ersten Kreuzzug sind die ersten Wappen der Westeuropäer überliefert.
Der zweite Kreuzzug findet 1147 statt, der Gebrauch von Wappen verbreitet sich unter Adeligen und Rittern. Der Gebrauch von Wappen wurde möglicherweise durch die im Orient übliche Praxis der Byzantiner Truppen mit Farbfahnen, oder Symbolen zu kennzeichnen inspiriert worden sein.
Man schuf damit eine einfache Möglichkeit sowohl Freund von Feind, als auch verschiedene Waffengattungen innerhalb einer Armee zu unterscheiden. Bei den Orientalen war es üblich diese Truppensymbole auch auf den Schildern anzubringen, dies lässt sich bis ins 9 Jahrhundert nachweisen.
In Europa waren Wappen erblich, und man konnte sie nicht einfach grundlos abändern. Die Bestätigung von Wappen durch Wappenbriefe wurde im deutschen Raum erst im 16. Jahrhundert üblich. Diese Tätigkeit wurde von Hofkanzleien ausgeübt.
Die methodische Beschreibung eines Wappens nennt man Blasonierung, das Wappen muss aufgrund dieser Beschreibung eindeutig identifizierbar sein.
Die Beschreibung eines Wappens bezieht sich auf die verwendeten Farben, das Wappenbild, den Helm, die Helmkrone, die Helmzier, den Waffenmantel und den Schild.

Die Zahl der zugelassenen Farben (in der Heraldik Tinkturen genannt) beschränkt sich auf fünf, die Farben Gold und Silber sind ausschliesslich für Metalle zu verwenden, zwei Farben gibt es für Fellarten. Eine allgemeine Regel besagt, dass sich die Tinkturen immer abwechseln müssen, d.h. es darf z.B. nicht Metall an Metall oder Farbe an Farbe angrenzen.
Folgende Farben sind zugelassen:
"Echte" Wappenfarben:
Blau (in Schwarzweißdarstellungen waagrechte Linien)
Grün (in Schwarzweißdarstellungen Diagonale Linien von links oben nach rechts unten)
Purpur (in Schwarzweißdarstellungen Diagonale Linien von rechts oben nach links unten)
Rot (in Schwarzweißdarstellungen senkrechte Linien)
Schwarz (in Schwarzweißdarstellungen gegittert oder schwarz gefärbt)
Metallfarben:
Gelb/Gold (in Schwarzweißdarstellungen gepunktet)
Weiß/Silber (in Schwarzweißdarstellungen weißes Feld)
Fellfarben:
Fehenpelz (in Schwarzweißdarstellungen „Eisenhütchen“, Schraffuren)
Hermelinpelz (in Schwarzweißdarstellungen schwarze Schwänzchen)
Die Bilder auf dem Schild, werden oft seitenverkehrt, also von der Position der Schildführers aus beschrieben, d.h. rechts ist links vom Betrachter aus gesehen, und umgekehrt. Ursprünglich bestand das Wappen nur aus dem Schild.
Die Beschreibung erfolgt von rechts (=links vom Betracher aus gesehen) nach links, bzw. von oben nach unten. Die drei Drittel des Schildes werden von oben nach unten Kopf, Herz, Fuß genannt.
Oft ist das Schild durch Linien unterteilt die sich daraus ergebenden Formen (Flächenaufteilungen) nennt man Heroldsbilder, oder Heroldsstücke.
Die Figuren der Wappen werden in diesen farbigen Flächen positioniert. Diese Figuren werden wenn es sich um natürliche Figuren immer in Ihrer korrespondierenden Tinktur wiedergegeben (z.B. Rotwild in der Farbe Rot, usw…) Künstliche Figuren (Pfeile, Kreuze, etc sind oft weiss dargestellt). Zuletzt gibt es auch noch die erfundenen Figuren, die Fabelwesen, diese weisen oft keine eindeutige Farbzuordnung auf. Buchstaben sind auf Schildern eher unüblich.

Die Form des Schildes an sich hat keine Bedeutung, sie gibt aber hin und wieder Aufschluss über die Entstehungszeit des Wappens, da sich die Schildform mit der jeweiligen Mode geändert hat.

Der Helm gibt Aufschluss ob das Wappen bürgerlicher oder adeliger Natur ist. In bürgerlichen Wappen benutzt man den geschlossenen Stechhelm. Adelige Wappen hatten früher den Topfhelm, der später durch den Spangenhelm ersetzt wurde. Auch die Laubkrone am Helm ist den adeligen Wappen vorbehalten.
Der Helm trägt bei bürgerlichen Wappen den Helmwulst, - gewundene Stoffbahnen in den Farben des Schildes -, bei adeligen Wappen die Laubkrone.
Die Helmzier besteht oft aus Hörnern, oder Flügeln, bei einfachen Figuren, wird die Figur als Helmzier wiederholt. Die Helmzier wird in Blickrichtung des Helmes ausgerichtet.


Die nächsten Bilder sind anschauliche Beispiele für Wappenfiguren, wie sie typischerweise gewählt wurden.






Wappenarten sind
Bürgerliche Wappen
Adelswappen
Allianzwappen
Staatswappen
Landeswappen
Stadtwappen
Polnische Wappen
Die Wappen der polnischen Ritterschaft weisen oft Symbole aus alter Zeit auf.
Über die Jahrhunderte wurden diese Symbole, als ihre Beutung verloren gegangen war, gewandelt und durch modernere Gegenstände oder Symbole ersetzt.
Erklärungsmöglichkeiten gibt es viele, zwei populäre möchte ich darstellen:
Die Runentheorie
Prof. Piekosizski stellte diese Theorie Ende des 19. Jahrhunderts eingehend in verschiedenen Schriften dar. Er leitete die Symbole von den Runen der Wikinger ab, die als Invasoren ins Land kamen, und so sagen manche Quellen zur Klasse des Adels wurden.
Die Tangmatheorie
Nach einem Buch von Alexander Guagnini das 1578 in lateinischer Sprache in Krakau erschienen ist stammt das polnische Volk von den Sarmaten (siehe Wikipedia) ab.
Das Buch wurde im Jahre 1611 in die polnische Sprache übersetzt und erweitert.
Auf Basis der Sarmatentheorie leiten sich die Symbole der polnischen Ritterschaft von den magischen Symbolden der Sarmaten ab, den sogenannten „Tamgas“.
Die Tamgas waren magische Symbole die auf Gegenständen des allgemeinen Gebrauchs angebracht waren, Ihre Bedeutung ist verloren gegangen. Die Ähnlichkeit zwischen den Wappensymbolen der polnischen Ritterschaft und den Tamgas ist auffällig.
Hier geht es zu den Wappen der Familie Jursitzky
Das Wappen Nowina
Das Wappen Radwan
Das Wappen Strzemie
Das Wappen Topor


